Oft erlebe ich in Gesprächen, dass sich viele Menschen keine Gedanken über Datensicherung machen. Damit meine ich die (regelmäßige) Erstellung einer Datenkopie bzw. eines Backups und NICHT den Schutz der Daten vor unerlaubtem Zugriff — das ist ein anderes Thema.

Entweder ist ihnen nicht bewusst, dass kein Datenträger für ewig hält, oder sie — und das ist gefühlsmäßig die Mehrheit — sind der Meinung, dass sie „sowieso keine wichtigen Daten gespeichert hätten“. Letztere Aussage wird spätestens dann als falsch erkannt, wenn die Fotos vom letzten Urlaub in Folge eines Festplattenschadens ihre Reise ins digitale Nirvana angetreten haben. Die Bilder meiner Hochzeit für immer zu verlieren käme für mich einer mittleren Tragödie gleich.

Ich möchte in diesem Beitrag ein paar meiner grundlegenden Überlegungen zur Datensicherung zusammenfassen. Es geht dabei an dieser Stelle nicht darum, mit welchen Werkzeugen/Programmen man seine Daten am besten sichert, sondern darum, welche möglichen Gefahren — nach meiner Ansicht — für Daten bestehen und mit welcher Strategie man diesen begegnen kann. Ich möchte meine Sicht auf das Gesamtbild darstellen und aufzeigen, welche prinzipiellen Strategien es für den Heimgebrauch gibt, Datenverlust effektiv entgegenzuwirken.

Mögliche Gefahren für Daten

Digitale Daten sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Manche treten häufiger auf, manche sind vielleicht eher unwahrscheinlich, aber dennoch nicht ausgeschlossen. Ich teile diese in vier Kategorien ein: Benutzer, technische Gebrechen, Einflussnahme Dritter und höhere Gewalt.

Gefahren für Daten

Gefahren für Daten

Benutzer

Die vermutlich größte Gefahr für Daten stellt wohl deren Eigentümer dar. Diese Vermutung stütze ich nicht auf eine Statistik, sondern auf meine ganz persönliche Erfahrung. Schon oft genug habe ich Dateien oder ganze Verzeichnisse gelöscht (auch aus dem digitalen Papierkorb) um kurz darauf festzustellen, dass ich diese noch benötigt hätte. Oder — für mich auch ein Klassiker — ich habe versucht, ein Foto zu bearbeiten und vergessen, zuerst eine Kopie davon zu erstellen. Beim Speichern habe ich dann das Original unwiederbringlich überschrieben.

Technische Gebrechen

Datenverlust durch technische Gebrechen ist eine durchaus reelle Gefahr. Ein sehr bekanntes Zitat dazu (sinngemäß):

Die Frage lautet nicht, OB eine Festplatte kaputt geht, sonder WANN.

Nichts hält ewig, und das gilt in ganz besonderem Maße für elektronische Geräte. Auch wenn Festplatten in der Regel sehr robust sind, haben auch sie eine eingeschränkte Lebensdauer. Die Datenrettung ist — je nach Schaden — mitunter zwar durchaus noch möglich, kann aber SEHR teuer werden.
Es muss aber nicht die defekte Festplatte sein, die Datenschäden verursacht. Es können auch andere Komponenten des Computersystems negative Auswirkungen auf die gespeicherten Dateien nehmen. Dies kann ein anderes Bauteil sein (z.B. ein Festplatten-Controller), oder aber auch das Betriebssystem, das vielleicht gerade mal einen schlechten Tag hat.

Einflussnahme Dritter

Eine besondere Gefahrengruppe stellt aus meiner Sicht die Bedrohung durch Dritte dar. Das Besondere daran ist für mich, dass dies die Kategorie ist, in der Daten absichtlich entwendet oder zerstört werden sollen. Jeder mit dem Internet verbundene Rechner ist dem Risiko ausgesetzt, sich mit Schadsoftware zu „infizieren“, oder direkt durch unbefugte Übernahme manipuliert zu werden. Auch der Diebstahl des ganzen Computers — was bspw. bei Notebooks, Pads, Mobiltelefonen durchaus vorkommen soll — hat in der Regel den totalen Datenverlust zur Folge.

Höhere Gewalt

Meine letzte Gefahrenkategorie umfasst die Ereignisse, auf die man als Einzelperson üblicherweise keine Einfluss hat. Damit meine ich Naturereignisse, wie Blitzschlag und Hochwasser, aber auch Feuer, die die unmittelbare Zerstörung des Computers — und somit der darauf befindlichen Daten — zur Folge haben können.

Strategien zur Datensicherung

Den Gefahren möchte ich nun mögliche Strategien zu deren Vermeidung entgegenstellen. Dazu habe ich ein kleines Zonenmodell (in Ampelfarben) erstellt, mit dem ich den Nutzen dieser Strategien beschreibe. In dem Modell beziehe ich mich in erster Linie auf die räumliche Ablage von Daten, nicht auf die weiteren Möglichkeiten, die Sicherungssysteme sonst noch bieten (Synchronisierung, Versionierung, Deduplizierung usw.).

Die rote Zone

Datensicherung: Rote Zone

Datensicherung: Rote Zone

In der roten Zone bedeutet der Verlust oder die Zerstörung einer Datei gleichzeitig auch deren Totalverlust. In der roten Zone befinden sich Daten, die ausschließlich auf einem einzigen Gerät (PC, Laptop, aber auch Mobiltelefon, …) gespeichert sind. Selbstverständlich ist es möglich, mit regelmäßigen Kopien in ein Backup-Verzeichnis die Folgen selbst verursachter Fehler (siehe oben) zu minimieren. Wenn allerdings der Computer zerstört wird oder verloren geht, sind die Daten (samt deren vielleicht vorhandenen Kopien) unwiederbringlich verloren.

Die hellrote Zone

Datensicherung: Hellrote Zone

Datensicherung: Hellrote Zone

Eine kleine Optimierung gegenüber der roten Zone stellt die hellrote Zone dar. Die Optimierung besteht darin, dass die Daten auf einen externen Datenträger (CD/DVD, USB-Festplatte, Datenstick, …) gesichert werden. Das ist sehr hilfreich, wenn die Festplatte des Computers ihren Geist aufgibt. Allerdings schützt diese Form der Sicherung nicht gegen Diebstahl oder höhere Gewalt, wenn sich die Sicherungsdatenträger am selben Ort wie der Rechner befinden (da werden sie vermutlich ebenfalls gestohlen oder gehen ebenso in Flammen auf). Auch ist zu bezweifeln, dass regelmäßige Sicherungen durchgeführt werden, wenn man die sicherheitshalber dann doch beim Nachbarn deponierte Festplatte jedes Mal holen gehen muss.

Die gelbe Zone

Datensicherung: Gelbe Zone

Datensicherung: Gelbe Zone

Die gelbe Zone ist auf Grund der räumlichen und auch physischen Trennung von Rechner und Sicherungsgerät schon etwas besser. Dies stellt für mich die Verwendung eines Netzlaufwerkes (NAS) oder Dateiservers als Sicherungsmedium dar. Das Netzlaufwerk befindet sich zwar noch im selben Gebäude (außer, man hat einen guten Draht zum Nachbarn im Nebengebäude), dennoch ist es möglich, dieses in einem komplett anderen Raum unterzubringen. Sollte der Schreibtisch samt Notebook in Flammen aufgehen, aber der Rest vom Haus stehen bleiben, kann der Datenverlust dadurch minimiert werden. Bei Ereignissen, bei denen das ganze Haus oder der ganze Ort in Mitleidenschaft gezogen wird (Hochwasser), ist die Sicherheit der persönlichen Daten allerdings nicht garantiert.

Die grüne Zone

Datensicherung: Grüne Zone

Datensicherung: Grüne Zone

In der grünen Zone befindet sich die Datensicherung mindestens außerhalb des eigenen Hauses, besser noch außerhalb des eigenen Ortes. Bei entsprechender Entfernung voneinander wird die Wahrscheinlichkeit, dass dem eigenen Computer und den gesicherten Daten das gleiche (physische) Schicksal widerfährt (Diebstahl, Feuersbrunst, Blitzschlag) fast gänzlich ausgeschlossen.

Fazit

Es macht Sinn, sich mit der Sicherung der sich im Laufe der Zeit ansammelnden Datenbeständen zu beschäftigen. Der digitale Schnappschuss mag heute vielleicht keinen besonderen Wert für Sie haben, in ein paar Jahren ist er vielleicht eine liebe Erinnerung an ein schönes Ereignis. Wichtige Dokumente und Urkunden, die eingescannt auf der heimischen Festplatte verstauben, sind momentan vielleicht nur die Sicherungskopie des Originals. Wenn das Haus abbrennt, gehen aber möglicherweise beide gleichzeitig verloren.

In der heutigen Zeit ist es nicht besonders schwer, an kostengünstigen oder kostenfreien Speicher im Web zu gelangen. Vieles wird sowieso schon automatisch gesichert (z.B. Kontaktdaten bei Google), aber bei vielem sollte man sich die Mühe machen, für eine örtlich entfernte regelmäßige und vollständige Kopie zu sorgen — irgendwann lohnt sich das!

Datensicherung: Gesamtnetz

Datensicherung: Gesamtnetz

Ach ja, mitunter macht es durchaus Sinn, mehrere der genannten Strategien zu kombinieren. Wichtige Dinge, die ich bei Totalverlust nicht mehr reproduzieren könnte (Fotos) halte ich mehrfach vor (Computer, USB-Speicher und Cloud). Auch das Internet kann mal einen schlechten Tag haben 😉

Cliparts: openclipart.org, cyberscooty, eady, lpenz, sheikh_tuhin, zafx

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