Vermutlich kennen Sie das aus eigener Erfahrung: Sie landen auf einer Webseite, die noch nicht ganz fertig ist (das sind wahrscheinlich sehr viele, aber nicht allen sieht man das an), oder einer, bei der bei jedem zweiten Klick eine Fehlermeldung angezeigt wird. Die Seite befindet sich zwar noch im Aufbau, aber wurde schon online gestellt. Das sorgt nicht gerade für eine angenehmes Surferlebnis.

Warum ist ein WordPress-Testserver notwendig?

Ich bin beruflich im IT-Umfeld tätig. Dort wird jede Änderung oder Entwicklung an einem Softwarepaket zuerst in einer geschlossenen Testumgebung (in einer so genannten Sandbox) umgesetzt und auf Fehler geprüft, bevor sie in den Produktivbetrieb geht. Dies hilft, Fehler zu beheben, bevor ein Anwender der Software diese findet. Eine Webseite ist auch ein Stück Software und sollte ähnlich betrachtet werden. Auch wenn die (finanziellen) Risiken beim Betrieb eines persönlichen Blogs vermutlich relativ überschaubar sind, ist es doch sinnvoll, die eigene Webseite ausgiebig zu testen, bevor sie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Besucher mögen eine perfekt betriebene Internetpräsenz vielleicht nicht als solche erkennen. Eine fehlerhafte Webseite wird allerdings sehr schnell wahrgenommen.

Unterschiedliche Möglichkeiten, eine Webseite zu testen

Es gibt verschiedene Varianten, eine Test- und Entwicklungsumgebung für das eigene Blog zu erstellen. Bevor ich auf meine derzeit bevorzugte Lösung detailliert eingehe, möchte ich die drei vermutlich gängigsten Prinzipien kurz beschreiben. Vorher noch eine kurze Begriffsklärung: Wenn ich von Entwicklungsumgebung spreche, meine ich damit alles, was für die Erstellung eines Blogs benötigt wird. Dazu zähle ich den Webserver, die Datenbank, die Programmierumgebung und die Blogging-Plattform (z.B. WordPress). Die Begriffe Testumgebung und Entwicklungsumgebung verwende ich synonym.

Variante 1: Entwicklungsumgebung auf dem eigenen Rechner

Es besteht die Möglichkeit, die benötigten Komponenten auf dem eigenen Rechner zu installieren und zu betreiben. Dazu gibt es Installationspakete, mit deren Hilfe alles für den Betrieb Notwendige sehr einfach aufgesetzt werden kann. Das wohl bekannteste Paket ist XAMPP. Es beinhaltet den Webserver Apache, die Datenbank MySQL und die Programmiersprachen PHP und Perl. XAMPP kann von der Seite http://www.apachefriends.org heruntergeladen werden und ist für Linux, Windows und Apple verfügbar. Dies ist wohl die üblichste Variante einer Web-Entwicklungsumgebung. Meine persönliche Meinung zu den Pros und Cons dieser Lösung:

Pro

  • einfach einzurichten
  • keine zusätzliche Hardware notwendig
  • Entwicklungsumgebung ist immer dabei (z.B. auf dem Laptop)
Contra

  • Entwicklungsumgebung wird Teil der „normalen“ Arbeitsumgebung
  • Web- und Datenbankserver immer präsent

Variante 2: Entwicklungsumgebung auf einem anderen Rechner

Möchte man die Entwicklungsumgebung nicht direkt auf seinem Rechner installieren, besteht die Möglichkeit, das auf einem anderen Gerät zu machen. Dies kann ein vorhandener, ausgedienter PC sein, aber genauso auch der Server, auf dem die Webseite später produktiv betrieben wird.

Pro

  • saubere Trennung von Entwicklungsumgebung und „normaler“ Arbeitsumgebung
  • Web- und Datenbankserver nur bei Bedarf präsent
  • Betrieb und Zugang ähnlich Produktivsystem
Contra

  • zusätzliche Hardware nötig (Kosten, Platzbedarf)
  • saubere Abschirmung von öffentlicher und in Entwicklung befindlicher Webseite wichtig (bei Betrieb auf selbem System)
  • Installationsaufwand im Vergleich zu XAMPP höher (bei Verwendung eigener Hardware)
  • Entwicklungsumgebung nicht überall verfügbar (bei Verwendung eigener Hardware)

Variante 3: Entwicklungsumgebung auf einem virtuellen Server

Eine Mischvariante der beiden bisher genannten Möglichkeiten stellt die Verwendung eines virtuellen Servers dar. Dabei wird auf dem Arbeitsrechner ein virtueller (= nicht physisch existierender) Computer betrieben. Dieser Gast nutzt zwar die Ressourcen des Gastgebers (= Arbeitsrechner), ist aber ein prinzipiell eigenständiges Gerät, quasi ein Computer im Computer. Dadurch ist es möglich, diesen mit einem eigenen Betriebssystem zu betreiben. Es ist tatsächlich so, als wären zwei unterschiedliche Rechner im Einsatz. Der virtuelle Server kann somit in Betrieb genommen werden, wenn er benötigt wird, wenn nicht, wird er einfach heruntergefahren.

Pro

  • saubere Trennung von Entwicklungsumgebung und „normaler“ Arbeitsumgebung
  • Web- und Datenbankserver bzw. der ganze virtuelle Server nur bei Bedarf präsent
  • Betrieb und Zugang ähnlich Produktivsystem
  • Entwicklungsumgebung ist immer dabei (z.B. auf dem Laptop)
Contra

  • etwas höherer Ressourcenverbrauch (sollte bei vernünftig ausgestattetem Gastgeberrechner nicht ins Gewicht fallen)
  • Installationsaufwand im Vergleich zu XAMPP höher

Ziel dieser Artikelserie

Aus meiner persönlichen Sicht stellt die Variante 3 einen guten Kompromiss zwischen den beiden erstgenannten Optionen dar. Diese Artikelserie beschreibt den Weg vom Erstellen eines virtuellen Rechners bis zur Installation der WordPress-Umgebung. Dabei handelt es sich um eine kostenfreie und relativ einfach durchzuführende Arbeit. Der Nutzen, den Sie daraus ziehen können, kann allerdings unbezahlbar sein.

Als Betriebssystem für den Testserver wird Ubuntu Server 12.04 LTS zum Einsatz kommen. Auch wenn Sie bisher noch nicht in Berührung mit GNU/Linux gekommen sind, ist das kein Problem. Ich werde die Installation und die Konfiguration Schritt für Schritt beschreiben.

Das Ziel ist, einen voll betriebsfähigen virtuellen WordPress-Testserver auf Ihrem Computer einzurichten. Das bedeutet, der Server kann für das Testen und Entwickeln von WordPress-Seiten verwendet werden (oder auch für alles andere, wofür man einen Server benötigen kann).

Voraussetzungen

Die Serie ist so aufgebaut, dass sie für den durchschnittlichen PC-Anwender nachvollziehbar sein sollte. Wenn Sie ein Programm aus dem Internet herunterladen und auf Ihrem Computer installieren können, sind Sie dabei. Die einzige technische Voraussetzung ist eine laufende VirtualBox-Installation. Diese kann (zur nicht-kommerziellen Nutzung) kostenfrei von der VirtualBox-Seite heruntergeladen werden. VirtualBox ist selbstverständlich nicht die einzige Virtualisierungsumgebung, die es gibt. Es ist aber die einzige, die ich persönlich verwende. Prinzipiell sollte der beschriebene Weg auch auf anderen Plattformen begehbar sein.

Notwendige Schritte

Wie bereits erwähnt, ist die Anleitung in mehrere Teile aufgeteilt. Das hat einerseits den Grund, die große Anzahl an Bildschirmfotos zu sinnvollen und verdaubaren Gruppen zusammenzufassen. Andererseits sind die einzelnen Beiträge auch für sich alleine nutzbar.

In Teil 1 wird die virtuelle Maschine erstellt und damit die Basis für die weiteren Installation gesetzt. Anschließend beschreibt Teil 2 die Installation des Betriebssystems Ubuntu Server. Im dritten Teil werden die Netzwerkeinstellungen angepasst und der Server auf den aktuellsten Stand gebracht. Wie und wofür mod_rewrite aktiviert wird, ist Inhalt des vierten Beitrages der Reihe. Für die einfachere Verwaltung der WordPress-Datenbank wird in Teil 5 phpMyAdmin installiert. Zum Abschluss erfolgt die Basisinstallation von WordPress auf dem Testserver (Teil 6).

Die Beitragsreihe im Überblick

Links

Beitragsbild: iStockphoto, vora

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