In den Teilen eins und zwei dieser Beitragsreihe habe ich beschrieben, wie eine virtuelle Maschine erstellt und darauf das Betriebssystem Ubuntu Server installiert wird. Wenn Sie diese beiden Anleitungen nachvollzogen haben, steht Ihnen ein funktionierender virtueller Server zur Verfügung. In diesem dritten Teil zeige ich Ihnen, wie Sie die Netzwerkkonfiguration Ihrer Gast- und Hostsysteme konfigurieren, damit diese perfekt zusammenspielen. Als Abschluss dieses Schrittes werden die aktuellsten Software-Updates eingespielt.[MORE]

Der Server im (Heim-)Netz

Standardmäßig wird Ubuntu Server so installiert, dass sich das System beim Start die IP-Adresse (die eindeutige Adresse des Computers im Netzwerk) automatisch vom entsprechenden DHCP-Server (im Heimnetzwerk ist dies üblicherweise der Router) abholt. Das hat den Vorteil, dass man sich als Benutzer keine Gedanken über die Adressierung seiner Geräte machen muss. Ein Nachteil für den Betrieb eines Servers ist allerdings, dass die Adresse jedes Mal anders lauten kann. Der DHCP-Server vergibt üblicherweise jedem neuen Gerät eine momentan freie Adresse. Ist die zuletzt verwendete Adresse des virtuellen Servers beim nächsten Start schon belegt, erhält er somit eine andere zugewiesen.

Fixe IP-Adresse zuweisen

Um die Erreichbarkeit des Servers im eigenen Netz zu vereinfachen, wird ihm eine fixe IP-Adresse zugewiesen. Wie das funktioniert, zeige ich in den folgenden Schritten.

Nach dem Neustart der virtuellen Maschine (nach Abschluss von Teil zwei dieser Serie) startet der Server und zeigt kurz das Menü des Bootloaders an, bevor er das Betriebssystem lädt. Nach einigen Sekunden, in denen aufgelistet wird, welche Module gerade aktiviert werden, wird die Aufforderung zum Login angezeigt.

Erstes Login

Erstes Login

Hier werden der in Teil zwei gewählte Benutzername und das Passwort eingegeben. Nach Bestätigung mittels Eingabetaste wird der Begrüßungstext mit ein paar Informationen über den Systemzustand angezeigt.

Erstes Login

Erstes Login

Am unteren Rand des Bildschirmes ist die Eingabeaufforderung sichtbar. Hier werden nun die Befehle zur Ermittlung der aktuellen Netzwerkeinstellungen eingegeben. Diese werden benötigt, um anschließend die Netzwerkonfiguration entsprechend anzupassen.

demouser@WordPressDemo:~$ ifconfig
demouser@WordPressDemo:~$ route -n

Nach dem Bestätigen der beiden Eingaben zeigt sich folgendes Bild:

Netzwerkeinstellungen ermitteln

Netzwerkeinstellungen ermitteln

An der Ausgabe von ifconfig ist der Abschnitt für eth0 (die Netzwerkkarte) relevant. In der rot umrahmten Zeile werden die aktuelle IP-Adresse (10.0.0.17), die Broadcast-IP (10.0.0.255) und die Netzwerkmaske (255.255.255.0) angezeigt.

An der Ausgabe von route -n ist die Zeile interessant, in der in der Spalte Flags der Eintrag UG steht. Das G bedeutet Gateway, und genau diese Adresse (im Beispiel 10.0.0.138) wird benötigt.

Die hier gezeigten Adressen gelten für meinen Server und werden bei Ihrer Installation höchstwahrscheinlich anders lauten.

Für den nächsten Schritt ist es notwenig, dass Sie sich die vier Adressen notieren, welche in den Netzwerkeinstellungen eingetragen werden. Für meinen Demoserver wären das somit folgende Werte:

  • IP-Adresse: 10.0.0.17
  • Netzwerkmaske: 255.255.255.0
  • Broadcast-IP: 10.0.0.255
  • Gateway: 10.0.0.138

Die Netzwerkeinstellungen werden mittels folgendem Befehl bearbeitet:

demouser@WordPressDemo:~$ sudo nano /etc/network/interfaces

Damit wird der einfache Texteditor nano gestartet und gleichzeitig die Datei interfaces im Verzeichnis /etc/network geöffnet. Die Datei beinhaltet die Konfigurationsdaten, die angepasst werden müssen. Da es sich dabei um eine Systemdatei handelt, die ein normaler Benutzer nicht bearbeiten darf, wird vor den Aufruf der Befehl sudo gesetzt. Dadurch wird der Aufruf mit Administratorrechten durchgeführt. Nach Eingabe des Passwortes (für sudo ist dies notwendig) wird der Inhalt der Datei interfaces im Editor angezeigt. Dieser ist noch relativ überschaubar, da – wie bereits erwähnt – die ganzen Adressinformationen noch automatisch bezogen werden.

Netzwerkeinstellungen öffnen

Netzwerkeinstellungen öffnen

In der Zeile iface eth inet wird der Wert dhcp durch static ersetzt (gelbe Markierung). Dann werden die Zeilen address, netmask, broadcast, gateway und dns-nameservers mit den vorher notierten IP-Adressen eingetragen. Für dns-nameservers wird der gleiche Wert wie für den Gateway verwendet, das sollte in der Regel klaglos funktionieren.

Netzwerkeinstellungen ändern

Netzwerkeinstellungen ändern

Mit der Tastenkombination Strg+O wird die Datei gespeichert. Dabei muss der Dateiname nochmals bestätigt werden.

Netzwerkeinstellungen speichern

Netzwerkeinstellungen speichern

Es erfolgt die Bestätigung mit der Angabe der Anzahl gespeicherter Zeilen. Mit Strg+X wird der Editor beendet.

Netzwerkeinstellungen speichern

Netzwerkeinstellungen speichern

Damit die geänderten Einstellungen aktiviert werden, wird der Server neu gestartet. Dies erfolgt durch Eingabe des folgenden Befehls:

demouser@WordPressDemo:~$ sudo shutdown -r now

shutdown ist der Befehl zum Herunterfahren. Die Option -r (restart) gibt an, dass er anschließend wieder neu gestartet werden soll. now bedeutet, dass die Aktion jetzt durchgeführt werden muss. Gegebenenfalls wird das Passwort nochmals abgefragt.

Server aktualisieren

Nach dem Neustart ist es an der Zeit, das System auf den aktuellsten Stand zu bringen.

demouser@WordPressDemo:~$ sudo apt-get update
demouser@WordPressDemo:~$ sudo apt-get upgrade autoremove

Die beiden Befehle können auch — wie im folgenden Screenshot — durch Semikolon getrennt, hintereinander geschrieben werden.

Softwarepakete aktualisieren

Softwarepakete aktualisieren

Mit apt-get werden die Softwarepakete des Servers verwaltet. Durch die beiden Befehle werden die Paketlisten neu eingelesen und überprüft, ob Updates vorhanden sind. Nach kurzer Zeit gibt das System Auskunft darüber, wieviele und welche Aktualisierungen verfügbar sind. Die Installation muss durch Eingabe von J bestätigt werden. Anschließend werden die Updates durchgeführt, das kann ein Weilchen dauern.

Softwarepakete aktualisieren

Softwarepakete aktualisieren

 

Netzwerkverbindung prüfen

Während die Aktualisierung läuft, kann die Erreichbarkeit des Servers vom Hostrechner aus getestet werden. Dies geschieht am Besten von der Konsole aus. Unter Windows kann diese über Start/Ausführen und dann Eingabe von cmd gestartet werden. Unter Linux gibt es unterschiedliche Zugänge, die höchstwahrscheinlich Konsole oder Terminal heißen. In der Konsole kann nun mit folgender Eingabe überprüft werden, ob der Server reagiert (hier ist die dem Server zugewiesene fixe IP-Adresse zu verwenden):

demouser@WordPressDemo:~$ ping 10.0.0.17

Wenn eine Ausgabe ähnlich der unten abgebildeten erfolgt, ist alles in Ordnung. Unter Windows bricht die Anfrage nach vier Antworten ab, unter Linux kann die Anfrage mit Strg+C abgebrochen werden.

Netzwerkverbindung testen

Netzwerkverbindung testen

 

hosts-Datei anpassen

Um den späteren Zugriff auf den Server zu vereinfachen (und damit es nicht notwendig ist, sich die IP-Adresse merken zu müssen), wird der Server in die hosts-Datei des Gastgebersystems eingetragen. Unter Windows (XP und neuer) handelt es sich dabei um C:WindowsSystem32driversetchosts (ohne Dateierweiterung!). Diese kann mit jedem beliebigen Texteditor (z.B. Notepad) bearbeitet werden (MS Word ist dafür nicht geeignet!). Möglicherweise sind erweiterte Zugriffsrechte notwendig.

Unter Linux wird hosts durch folgende Eingabe zur Bearbeitung geöffnet:

demouser@WordPressDemo:~$ sudo nano /etc/hosts

hosts-Datei ändern

hosts-Datei ändern

Der Inhalt der Datei kann von Rechner zu Rechner unterschiedlich aussehen. Standardmäßig ist auf jeden Fall der Eintrag 127.0.0.1 localhost vorhanden. Nach dem selben Muster wird nun auch der virtuelle Server eingetragen.

hosts-Datei ändern

hosts-Datei ändern

Nach dem Speichern (Strg+O und anschließend Strg+X)kann die Erreichbarkeit nochmals überprüft werden. Jetzt kann der in hosts eingetragene Name (z.B. wordpressdemo) anstelle der IP-Adresse verwendet werden:

demouser@WordPressDemo:~$ ping wordpressdemo

Netzwerkverbindung testen

Netzwerkverbindung testen

 

Funktion des Webservers testen

Wenn die Kontaktaufnahme in der Konsole geklappt hat, ist es Zeit, das selbe mit dem Browser ausprobieren. In der Adressleiste muss hier einfach http://wordpressdemo (bzw. entsprechend dem Eintrag in hosts) eingegeben werden. Die Ausgabe sollte dann in etwa so wie in der folgenden Grafik aussehen.

Webserver testen

Webserver testen

Fazit und Ausblick

Der Beitrag ist etwas länger geworden, als ich erwartet hätte. Das Ergebnis ist ein virtueller Server auf aktuellem Stand und eine saubere Einbindung ins Heimnetzwerk. Im nächsten Abschnitt (Der wird wirklich kürzer, versprochen!) wird der Webserver noch ein wenig für WordPress angepasst.

Ach ja, weil ich’s noch nirgends erwähnt habe; um den Server herunterzufahren, ohne ihn neu zu starten, muss folgender Befehl eingegeben werden:

demouser@WordPressDemo:~$ sudo shutdown -P now

 

Die Beitragsreihe im Überblick

Beitragsbild: iStockphoto, m-1975

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