Im ersten Teil dieser Beitragsreihe habe ich beschrieben, wie eine virtuelle Maschine mit Hilfe von VirtualBox erstellt wird. In diesem zweiten Teil geht es nun darum, diese virtuelle Maschine mit einem passenden Betriebssystem zu beleben. Ich verwende dazu Ubuntu Server 12.04 LTS, die Vorgehensweise sollte aber prinzipiell für jedes Betriebssystem ähnlich sein. Vorausgesetzt wird eine vorbereitete virtuelle Maschine (wie in Teil 1 beschrieben).[MORE]

Ubuntu Server Installationsmedium herunterladen

Das Disk-Image für die Ubuntu-Server-Installations-CD kann von der Ubuntu-Webseite heruntergeladen werden. Ich habe mich für die 32-bit-Variante der Version 12.04 LTS entschieden, da auch die virtuelle Maschine als 32-bit-Maschine erstellt wurde. LTS (long time support) habe ich gewählt, weil diese zwar nicht die allerneuesten Features mit bringt, aber dafür Updates bis 2017. Zudem ist für den Zweck eines WordPress-Testservers alles vorhanden, was benötigt wird.

Ubuntu Server herunterladen

Ubuntu Server herunterladen

 

Disk-Image der virtuellen Maschine zur Verfügung stellen

Damit die virtuelle Maschine vom Installationsmedium hochfahren kann, muss dieses entsprechend zur Verfügung gestellt werden. In VirtualBox können Disk-Images wie „echte“ Medien (CDs, DVDs) verwendet werden. Entsprechend eingebunden, verhält sich die Imagedatei aus Sicht der virtuellen Maschine wie eine CD bzw. DVD.

Die Einbindung kann im Abschnitt Massenspeicher durchgeführt werden.

Ubuntu Server Imagedatei einbinden

Ubuntu Server Imagedatei einbinden

Im sich öffnenden Fenster kann nun unter dem Controller: IDE das CD-Symbol ausgewählt werden.Wahrscheinlich wird dies wie in der Abbildung leer sein. Sollte bereits eine Datei eingebunden sein, macht das keinen Unterschied. Im rechten Abschnitt Attribute öffnet sich beim Klicken auf das CD-Symbol ein Dropdown-Menü. Nach der Auswahl des Eintrages Datei für virtuelles CD/DVD-Medium auswählen… öffnet sich ein Dateiauswahlfenster.

Ubuntu Server Imagedatei einbinden

Ubuntu Server Imagedatei einbinden

In diesem muss nun die vorher heruntergeladene Datei ubuntu-12.04.3-server-i386.iso (der Dateiname kann abhängig von der Version variieren!) ausgewählt werden. Wenn alles geklappt hat, ist das selektierte File im linken Abschnitt unter Controller: IDE sichtbar.

Ubuntu Server Imagedatei einbinden

Ubuntu Server Imagedatei einbinden

Das war schon die nötige Vorbereitung. Nun kann die virtuelle Maschine gestartet werden. Dies kann entweder durch Doppelklick auf den Eintrag in der Maschinenliste, oder durch Auswahl und Klick auf das Startsymbol erfolgen.

Installation der Server-Software

Die Installation ist recht unspektakulär und weitgehend selbsterklärend. Diese Anleitung soll es auch nicht PC-versierten Benutzern ermöglichen, einen Server zu installieren. Deswegen werde ich jeden der einzelnen Schritte abbilden und auch kurz kommentieren.

Nach dem Start der Maschine erscheint relativ schnell das Fenster zur Auswahl der Sprache. Hier kann mit den Pfeiltasten auf und ab navigiert werden. Mit der Eingabetaste wird die Auswahl bestätigt.

Ubuntu Server Installation starten

Ubuntu Server Installation starten

Die nächste Ansicht zeigt das Hauptmenü der Installations-DVD. Neben der eigentlich Installation gibt es hier auch die Möglichkeit, das Installationsmedium zu prüfen, einen Speichertest durchzuführen, Ubuntu von der Festplatte zu starten und gegebenenfalls ein beschädigtes System zu reparieren. Falls nicht schon sowieso der Fall, wird hier der erste Punkt Ubuntu Server installieren ausgewählt und mit der Eingabetaste die Installation gestartet.

Ubuntu Server installieren

Ubuntu Server installieren

Ab jetzt läuft die Installation quasi auf Autopilot. Ab und an müssen noch ein paar Fragen beantwortet werden, ansonsten ist der Prozess selbstlaufend.

Die erste Frage kann mit Ja (Eingabetaste) beantwortet werden. Wie im Text ersichtlich, scheint die Übersetzung für Deutsch nicht vollständig zu sein. Die Installationsroutine fragt hier nochmals nach, ob die Installation trotzdem in der voreingestellten Sprache erfolgen soll. Es gibt eine oder zwei Stellen, wo mal Englisch durchblitzt, aber ansonsten ist alles brav eingedeutscht.

Sprachauswahl bestätigen

Sprachauswahl bestätigen

Als nächstes wird der Standort abgefragt. Abhängig davon werden Einstellungen wie Zahlenformat, Währung usw. getroffen. Ich bin in Österreich wohnhaft, somit fällt meine Auswahl entsprechend aus.

Standort auswählen

Standort auswählen

Die automatische Tastaturerkennung (nächstes Bild) habe ich noch nie verwendet und wähle hier Nein.

Tastatur konfigurieren

Tastatur konfigurieren

Somit kann ich im anschließenden Fenster nochmals mein Sprache und mein Land auswählen. In meinem Fall ist das Deutsch (Österreich).

Tastatur konfigurieren

Tastatur konfigurieren

Als letzter Punkt der Tastaturkonfiguration wird die konkrete Belegung abgefragt. Ich habe keinen Grund, etwas anderes auszuwählen, deswegen nehme ich wieder Deutsch (Österreich).

Tastatur konfigurieren

Tastatur konfigurieren

Nach der Bestätigung werden ein paar Komponenten geladen.

Komponenten laden

Komponenten laden

Nach kurzer Zeit sind wieder ein paar Antworten fällig. Die erste Information, die benötigt wird, ist der Rechnername. Dieser muss aus einem Wort bestehen und im Netzwerk eindeutig sein. Ich vergebe an dieser Stelle den Namen WordPressDemo.

Rechnername festlegen

Rechnername festlegen

Um sich später am Server anmelden zu können, muss ein Benutzer angelegt werden. In meinem Fall lege ich den DemoUser an. An dieser Stelle wird — wie in der Beschreibung auch angegeben — der vollständige Name des Benutzers erwartet. Dabei handelt es sich nicht um den Login-Namen. Die beiden können sich selbstverständlich unterscheiden.

Benutzername festlegen

Benutzername festlegen

Nach der Eingabe eines gültigen Namens für den Benutzers, wird der Benutzername (also der Login-Name) abgefragt.

Benutzername festlegen

Benutzername festlegen

Nun muss das Passwort für den anzulegenden Benutzer eingegeben werden.

Passwort bestimmen

Passwort bestimmen

Selbstverständlich muss dieses nochmals bestätigt werden.

Passwort bestätigen

Passwort bestätigen

Benutzerordner können auch verschlüsselt werden. Ich sehe dafür — speziell bei einem lokalen Testserver — keine Notwendigkeit. Das war’s auch schon zum Thema Benutzer anlegen.

Ordner verschlüsseln

Ordner verschlüsseln

Im nächsten Dialog muss die Zeitzone bestätigt werden. Diese wird anhand der Angaben über den Standort ausgewählt und sollte üblicherweise passen. Die Frage kann somit mit Ja beantwortet werden. Dies ist übrigens eine der wenigen Stellen, an denen die deutsche Übersetzung nicht greift.

Uhr einstellen

Uhr einstellen

In den nächsten paar Schritten werden die nötigen Angaben zur Festplattenpartitionierung gemacht. Der Einfachheit halber (und weil für den angestrebten Zweck völlig ausreichend) verwende ich die geführte Partitionierungsmethode. Damit wird die ganze Festplatte für das zu installierende Betriebssystem verwendet.

Festplatte partitionieren

Festplatte partitionieren

Die vorgeschlagene Festplatte ist selbstverständlich die Festplatte der virtuellen Maschine. Dies ist einfach an deren Benennung VBOX HARDDISK zu erkennen. Die Auswahl kann somit durch Drücken der Eingabetaste bestätigt werden.

Festplatte partitionieren

Festplatte partitionieren

Nun wird die Partitionierungstabelle nochmals angezeigt. Was hier dargestellt wird bedeutet in kurzen Worten, dass die erste (und in unserem Fall auch einzige) Festplatte sda in zwei Bereiche aufgeteilt wird: Partition 1 und Partition 5. Partition 1 wird das normale Dateisystem beinhalten (vergleichbar mit Laufwerk C: in Windows). Die Partition 5 wird die sogenannte Swap-Partition werden. Dies ist der erweiterte Hauptspeicher des Rechners. Sollte es im RAM zu eng werden, werden die Daten hier zwischengelagert (vergleichbar mit der Auslagerungsdatei in Windows).

Festplatte partitionieren

Festplatte partitionieren

Nach Bestätigung des Vorschlages wird das Grundsystem installiert. Das kann ein paar Minuten dauern.

Installieren des Grundsystems

Installieren des Grundsystems

In den nächsten paar Schritten werden Einstellungen zur Software vorgenommen. Bei Linuxinstallationen werden die Softwarepakete in der Regel über einen Paketmanager verwaltet. Dabei handelt es sich um die eine einzige Stelle, über die sämtliche Programme installiert werden können. Der Paketmanager benötigt optimalerweise Zugang zum Internet. Sollten Sie über einen Proxy ins Web gehen, müssen die entsprechenden Zugangsdaten hier angegeben werden. Falls Sie davon noch nichts gehört haben, können Sie die Felder mit hoher Wahrscheinlichkeit leer lassen.

Proxy-Daten erfassen

Proxy-Daten erfassen

Sicherheitsaktualisierungen kann der Paketmanager automatisch herunterladen und installieren. Das ist üblicherweise eine gute Sache, weswegen ich die Option auswähle.

Automatische Sicherheitsupdates

Automatische Sicherheitsupdates

Der letzte Schritt — die Software betreffend — ist die Auswahl der zu installierenden Softwarepakete. Das Ziel unserer Bemühungen ist die Installation eines Webservers. Deswegen muss das LAMP-Server-Paket ausgewählt werden. LAMP steht dabei für Linux, Apache, MySQL und PHP. Linux ist das Betriebssystem, Apache der Webserver, MySQL der Datenbankserver und PHP eine Programmiersprache. Diese Komponenten werden für die Installation von WordPress benötigt.

Das zweite Paket, das ich ausgewählt habe, ist der OpenSSH-Server. Damit kann der Testserver verschlüsselte Logins ermöglichen. Das ist grundsätzlich für den Testserver nicht nötig, aber ich versuche, die spätere Produktivumgebung möglichst gut nachzubilden.

Softwareauswahl

Softwareauswahl

Für den MySQL-Server wird ein weiteres Passwort benötigt. Prinzipiell kann es auch leer gelassen werden. Das sollte spätestens im produktiven (öffentlichen) System nicht mehr der Fall sein!

Passwort für MySQL bestimmen

Passwort für MySQL bestimmen

Auch dieses Passwort muss nochmals bestätigt werden.

Passwort für MySQL bestätigen

Passwort für MySQL bestätigen

Danach wird die ausgewählte Software installiert.

Software installieren

Software installieren

Zu guter Letzt müssen noch die Installation des Bootloaders bestätigt werden. Da auf dem virtuellen System nur ein Betriebssystem installiert wird, kann diese Frage mit Ja bestätigt werden.

GRUB-Bootloader installieren

GRUB-Bootloader installieren

Nach kurzer Installation erscheint die Abschlussmeldung mit der Aufforderung, den Rechner neu zu starten.

Installation abschließen

Installation abschließen

 

Fazit und Ausblick

Gratulation! Wenn Sie den Screenshot-Marathon bis hierher durchgehalten haben, steht Ihnen nun ein prinzipiell funktionierender Testserver zur Verfügung. Dies war der vermutlich umfassendste Teil dieser Reihe. Im nächsten Beitrag werden die Netzwerkeinstellungen des Gast- und des Gastgebersystems konfiguriert und der Server auf den aktuellsten Stand gebracht.

Die Beitragsreihe im Überblick

Links

Beitragsbild: iStockphoto, z80

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